Die große Story

Es ist eine große Story, die unsere Überschriften im Moment in Atem hält: nicht zuletzt hinsichtlich der blanken Menge an Nullen welche die Billionen von Dollars beschreibt über die mensch erzählt. Vor kurzem wurde mir gesagt, dass in einem Jahr die ‚globale Wirtschaft‘ erfolgreich 50 Billionen Dollar hat verdampfen lassen. Man möchte meinen es würde ein dediziertes, kollektives Bemühen brauchen um eine solch gigantische Menge an Ressourcen zu vergeuden. Aber es war ausschließlich eine kleine Gruppe Menschen die dieses erreicht haben, und die Prämien dafür kassierten. Das treibt unser Blutdruck in die Höhe, aber was können wir dagegen tun? Werden wir einfach weiterhin die Headlines lesen und die Nachrichten schauen, dabei leise in unsere Lehnstühle fluchen? Zumindest sollten wir ein wenig weiter schauen, informationen sammeln und versuchen zu verstehen, wie die Schockwellen die breite Gesellschaft einwirken werden. Denn wenn die großen Stories sich mit den Billionen von Dollars beschäftigen, beschäftigen sich die kleinen mit den Zeltstädten die aus San Jose wachsen, und Sacramentos Besiedlung von neuen Wellen von Obdachlosen. Dort sind Millionen von neuen Arbeitslosen in post-industrialisierten Gesellschaften die jetzt unter der täglichen Last leiden, über die Runden zu kommen. Eine neue Generation wird sozialisiert, mitten in eine Welt mit größeren Unsicherheiten als sie sich hat vorstellen können. Sicherlich, diese beeindruckenden Statistiken machen beindruckende Headlines in den Massenmedien. Gigantische Zahlen sichern die Auflage, egal ob es eine wachsende Anzahl Menschen ist die arbeitslos werden, obdachlos, deren Häuser wieder in Besitz genommen werden, oder die unter die ‚Armutsgrenze‘ fallen. Das schafft eine ziemlich trübe Aussicht auf menschliche Kreativität und Widerstandsfähigkeit. Sehr wenige der kleinen Geschichten finden in den Medien Beachtung, denn diese sind dominiert von Finanz- und Wirtschaftssprache durch die wir die Krise zu verstehen gelernt haben. Wir bekommen ein Gefühl für für die Tragödie in Zahlen, aber sie sind angenehm abstrahiert und für uns in Diagramme gesteckt. Keine Alternativen oder positiven Interpretationen werden dargelegt oder gezeigt. Diese Stories großer Zahlen planieren die Vielfalt und Innovationskraft von Millionen von Menschen, hin zu einer bequemen, kurzen und prägnanten Zitaten passiver Statistiken. Somit tragen die Medien dazu bei, unsere kleinen Geschichten in große Zahlen zu transformieren, die Art und Weise auszulöschen, in der Menschen versuchen, das Skript nach dem sie leben neu zu erfinden.

Im Dezember 2008 und Januar 2009 tauchte ein faszinierendes ‚literarisches‘ Phänomen in Japan auf. Ein Buch mit dem Titel Kani Kousen von Kobayashi Takiji wurde für einige Wochen zum Bestseller. Die Übersetzung des Titels könnte als „Frühes Proletariat“ verstanden werden, es beschreibt die Schwierigkeiten des Alltags für die Arbeiterklasse in den 1920er Jahren. Aber dies war keine zurückblickende, historische Studie; das Buch wurde 1929 geschrieben. Zudem war das Wort ‚Proletariat‘ seit dem Ende der 1960er aus dem kollektiven japanischen Gedächtnis verbannt. Wie kann es sein dass jetzt, am Anfang des 21ten Jahrhunderts, dieses Buch die zentrale Literaturquelle für Menschen wird die versuchen, ihre momentane Situation und ihren eigenen Platz darin zu beschreiben? Dieser Versuch sich selbst neu zu definieren wurde nicht nur durch die Auswahl des Lesestoffs erreicht. In Japan gab es in letzter Zeit viele Beispiele für Menschen, die kleine Geschichten über soziales Bewusstsein und soziales Handeln kreieren. In den letzten paar Monaten ist die Anzahl an kleinen Geschichten in Japan und der große gesellschaftliche Bereich den sie abdecken mit beeindruckender Geschwindigkeit gestiegen. Nachstehend befinden sich einige Beispiele von kleinen Geschichten von Menschen die es ablehnen, nur eine Zahl in den negativen Kolumnen der Bilanzaufstellung zu sein.